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Tollwut

Erreger

Tollwutvirus, ein Rhabdovirus aus der Familie der Lyssaviren

Vorkommen

Tollwut bei Tieren kommt in vielen Ländern weltweit vor. Zu den meisten menschlichen Infektionen kommt es in Entwicklungsländern.

Infektionsweg

Der Mensch infiziert sich hauptsächlich durch Speichelkontakt: nach Belecken von verletzten Hautstellen, durch Biß- oder Kratzverletzungen, oder wenn Speichel des Tieres durch ungewaschene Hände an die Augen-, Nasen-, oder Mundschleimhaut gelangt. Ansteckend ist auch die Inhalation von Viren. Das Virus wird nicht durch Belecken von gesunder Haut übertragen (Schleimhäute sind hingegen auch in unverletztem Zustand durchlässig). Der sicherste Schutz vor Tollwut ist daher eine intakte Haut! Da das Virus widerstandsfähig gegen Kälte und Fäulnis ist, sind Tierkadaver auch noch nach Wochen infektiös.

Inkubation

In den meisten Fällen beträgt die Inkubationszeit 20 bis 70 Tage, Tollwut kann aber auch schon nach vier Tagen oder erst nach einem Jahr ausbrechen.

Verlauf

Tollwut ist eine akute Virusenzephalomyelitis, die fast ausnahmslos tödlich endet. Ist das Virus einmal in den Körper gelangt, wandert es entlang der Nervenbahnen ins Rückenmark und von dort ins Gehirn. Hier vermehrt es sich und breitet sich weiter im Organismus aus. Zu den ersten Krankheitszeichen zählen eine gewisse Ängstlichkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Unwohlsein und die Veränderung der Wahrnehmung im Bereich der Bißstelle. Gewöhnlich kommt es zu Nervosität, Halluzinationen und einer Aerophobie, in einigen Fällen gefolgt von Angstzuständen vor Wasser (Hydrophobie) aufgrund von Spasmen der Schluckmuskeln. Nach Delirium und Krämpfen tritt wenige Tage nach Krankheitsbeginn der Tod ein. Eine weniger häufige Form, die paralytische Tollwut, ist durch Störungen der Sinnesempfindung, Schwäche, Schmerzen und Paralysen charakterisiert. Gegen Tollwut gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Lediglich die Symptome können durch völlige Ruhe, gedämpftes Licht, Sedierung und Atemhilfe gelindert werden. Da Speichel, Tränen und Urin des Patienten hoch ansteckend sind, muß der Patient isoliert werden.

Passiver Schutz

Bei einer Bißwunde durch ein tollwutverdächtiges Tier muß eine passive Immunglobulingabe mit gleichzeitiger aktiver Impfung erwogen werden.

Impfstoff

Totimpfstoff zur Injektion auch als hühnereiweißfreier HDC-Impfstoff erhältlich.

Anwendung

Man unterscheidet zwischen der Impfung als Vorsorge und der Impfung, die nach Tollwutkontakt vorgenommen wird. Die Vorsorgeimpfung besteht für Erwachsene und Kinder aus drei Injektionen in den Oberarmmuskel an den Tagen 0, 7 und 21-28. Der Impfschutz muß bei fortbestehender Gefährdung alle zwei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. Nach Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier muß jeder Mensch geimpft werden. Bei Patienten, die bereits über einen Impfschutz verfügen, ist das Erkrankungsrisiko geringer, es sind weniger Impfungen notwendig. Wer noch nie oder unvollständig geimpft wurde, erhält die vollständige Therapie. Sie besteht aus fünf bis sechs Impfungen sowie aus einer passiven Immunisierung mit einem Antitollwutserum. Bei Kontakt mit Impfflüssigkeiten oder Impfködern wird gleichermaßen verfahren.

Impfschutz

Beginn des Schutzes ca. 2 Wochen nach der ersten Impfung - Dauer bis 5 Jahre, Kontrolle über Bestimmung der Antikörper.

Nebenwirkungen

Moderne Tollwutimpfstoffe werden gut vertragen. Die Häufigkeit leichter Nebenwirkungen (lokale Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Juckreiz) variiert je nach Untersuchung. Gelegentliche systemische Reaktionen (Unwohlsein, generelle Schmerzen und Kopfschmerzen) wurden sowohl nach intramuskulärer als auch nach intradermaler Impfung beobachtet.

Bemerkungen

Bei Exposition sollte nach der 3. Impfung eine Antikörperbestimmung durchgeführt werden, um die weitere Dosierung ggf. zu erhöhen. Abstand zu anderen Impfungen nicht erforderlich. - Vorsicht: Tollwut endet für den Menschen immer tödlich!


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