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Diabetes - Tropeninstitut.de

Was müssen Diabetespatienten unterwegs beachten?
Checkliste Zeitumstellung

Insulin auf Reisen
Hypoglykämie (Unterzuckerung)
Maßnahmen bei Hypoglykämie
Hyperglykämie (Blutzuckerentgleisung)
Maßnahmen bei Hyperglykämie

weitere Risiken für Diabetespatienten auf Reisen

 

Was muß ein Diabetespatient unterwegs beachten?
Wenn Menschen mit Diabetes über ihre Krankheit sowie über die frühzeitige Erkennnug und Behandlung von Komplikationen durch entsprechende Selbstkontrollen (Blutzucker, Ketone, Blutdruck, Füße) geschult sind, bestehen keine nennenswerten Einschränkungen bezüglich Reiseaktivität und Zielen. Einschränkungen ergeben sich allenfalls aus möglichen Folgeerkrankungen.
Drohende akute Gefahren sind eine  Erhöhung des Blutzuckers (Hyperglykämie) durch zu wenig Insulin und eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) durch zuviel Insulin oder zuwenig Kohlenhydrataufnahme. Während eine Unterzuckerung zu einer schnellen Bewusstseinseinschränkung führen kann, besteht bei anhaltend hohen Werten häufig eine erhöhte Infektanfälligkeit.
Neben diesen akuten Komplikationen sind auch Krankheiten zu beachten, die in Zusammenhang mit dem Diabetes stehen (z.B. Durchblutungsstörungen am Herzen oder den Beinen, Nervenschädigungen, diabetisches Fußsyndrom, Nierenfunktionsstörungen) und die sich durch reisebedingte Faktoren (z.B. Stress, Überlastung, Ernährung) verschlechtern können.
Bei Reisen in fremde Regionen sollte sich jeder Diabetespatient zunächst über die verschiedenen und teilweise fremden Kostformen informieren. Hier helfen Ratgeber und Nährwerttabellen, die über den Buchhandel und Diabetikerverbände erhältlich sind.

Vor Antritt der Reise sind einige Punkte zu beachten, um einen problemlosen Aufenthalt zu ermöglichen (Checkliste):

  • Internistisch-diabetologischer Check-up mit Untersuchung wichtiger Organfunktionen
  • Rechtzeitige Planung und Durchführung erforderlicher Impfungen, da sie vorübergehend ihre Diabeteseinstellung stören und zu Blutzuckerschwankungen führen können. Also lassen Sie sich möglichst einige Wochen vor Abreise impfen.
  • Ausstellung eines internationalen Diabetes- und Notfallausweises
  • Ausstellung eines ärztlichen Attestes für Zoll und Fluggesellschaft mit Auflistung aller notwendigen Medikamente und Hilfsgerätschaften (Spritzen, Pens, Blutzuckermessgerät, Teststreifen). Ein entsprechendes Zertifikat kann beim Diabetiker-Bund, Landesverband BW, Offenbachstrasse 12, 74629 Pfedelbach bestellt werden (adressierten und frankierten Rückumschlag beilegen) oder hier heruntergeladen werden (Zertifikat Diabetes).
  • Informationen über ärztliche Versorgung und Insulinbezugsquellen im Reisland einholen
  • Abschluss einer Kranken- und Reiserücktrittsversicherung, die nicht nur Unfälle, sondern auch diabetologische Notfälle umfasst. Hiebei darauf achten, dass im Kleingedruckten kein Passus steht: "bei vorbestehenden chronischen Erkrankungen wird keine Leistung übernommen."
  • Mitreisende über Diabetes und mögliche Komplikationen sowie deren Therapie informieren
  • Zusammenstellung einer Reiseapotheke, die im Handgepäck mitgeführt werden sollte und individuell unterschiedlich ausgestattet sein kann:  
  • für Unterzuckerungen schnell resorbierbare Kohlenhydrate (z.B. Traubenzucker) und komplexe Kohlenhydrate (z.B. Müsli), ggf.  Glucagon-Notfallset bei insulinspritzenden Patienten
  • Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen incl. Insulin-Pens, Pumpe, Spritzen
  • Blutzuckermessgerät (Ersatzbatterien) mit Teststreifen zur Blutzuckermessung, Stechhilfe, Lanzetten, bei Typ-1-Diabetes-Patienten Teststreifen zur Ketonmessung. Bei Verwendung eines wiederbefüllbaren Pens, für den Fall eines Pendefektes/-verlustes Ersatzpen, Insulinspritzen oder Einmalpen mitführen.
  • Antiseptikum und Verbandsmaterial

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Insulin auf Reisen
Vor Reiseantritt, insbesondere bei längeren Reisen, sollten die Haltbarkeitsdaten auf den Insulinampullen überprüft werden. Da Insulin ein Eiweißmolekül ist, ist die Haltbarkeit und Wirksamkeit auch sehr stark von der Temperatur abhängig. Bei der Aufbewahrung von Insulin sind Temperaturen unter +2°C und über 40°C sowie direkte Sonnenstrahlung dringend zu vermeiden. Um Insulin vor extremen Temperaturen zu schützen, kann es z.B. in Behältern aus Styropor oder in einer Edelstahlthermoskanne aufbewahrt werden. Im Handel gibt es inzwischen auch spezielle Kühltaschen zu erwerben.
Vor Ort ist auf das Aussehen des Insulins zu achten. Trübungen oder Flockungen deuten bei klaren Insulinen darauf, dass es unbrauchbar geworden ist.
Insulin und Hilfsmittel sollten ausreichend mitgenommen werden. Dies gilt insbesondere auch für Träger von Insulinpumpen, die für den Fall eines Pumpenversagens alles für eine intensivierte Insulintherapie (Pens, Insulinampullen) zur Verfügung haben sollten.

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Checkliste Zeitumstellung
Die Zeitumstellung kann für die Diabetestherapie eine besondere Herausforderung darstellen. Wenn der Zielort nur ein oder zwei Stunden entfernt ist, entstehen normalerweise keine Schwierigkeiten. Bei größeren Entfernungen sollte sich insbesondere der insulinpflichtige Diabetiker an vorgegebene Regeln halten.
Der Umgang mit oralen Antidiabetika (Tabletten) ist von der Art des Medikamentes abhängig. Manche Tabletten wirken über den ganzen Tag, andere müssen direkt vor dem Essen eingenommen werden. Besprechen sie auf jeden Fall vor Abreise in den Urlaub mit dem behandelnden Arzt, wie im Einzelfall zu verfahren ist.
Bei Insulinpflichtigkeit ist die Verfahrensweise ganz entscheidend von der Art des verabreichten Insulins abhängig, auch hier sollten Sie sich vorher mit Ihrem Arzt besprechen, da es zahlreiche zum Teil unterschiedliche Empfehlungen gibt. Beim Flug nach Westen wird der Tag verlängert. Vor dem Flug kann die normale Insulindosis injiziert werden, während des Fluges kann zusätzlich schnell-wírkendes Insulin notwendig werden. Beim Flug nach Osten wird der Tag verkürzt. Vor dem Flug ist daher eine Reduktion der Insulindosis sinnvoll, wenn der Tag mehr als 8 Stunden verkürzt wird. Während des Fluges sind Blutzuckerkontrollen und ggf. eine Korrektur mit einem kurzwirksamen Insulin vorzunehmen.

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Hypoglykämie (Unterzuckerung)
Die Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann schnell zur Bewußtseinseintrübung oder gar zum Schock mit Bewußtlosigkeit führen. Daher ist die sofortige Behandlung mittels Verabreichung von schnell aufnehmbaren Kohlenhydraten, am besten Glukose (Traubenzucker) notwendig ("Erst essen, dann messen"). Die Gabe von komplexeren Kohlenhyraten, u.a. auch Rohrzucker- (Haushaltszucker-) ist bei Patienten, die Alpha-Glucosidasehemmer (z.B. Acarbose) einnehmen, nicht effektiv, da Acarbose die Aufspaltung der Kohlenhydrate hemmt. Daher sollte hier immer Traubenzucker verwendet werden. Traubenzucker in Tablettenform löst sich relativ schlecht auf und ist daher meist schwierig einzunehmen. Günstiger sind Glukose-Gels (z.B. JubinR: 1 Tube = 2,6 Broteinheiten, CarreroR: 1 Beutel = 1 Broteinheit, HYPO-FIT Junior oder HYPO-FIT Folienbeutel) sowie neuerdings auch ein Glukose Rapid Spray (10 g Glukose in 10 ml). Alternativ können auch zuckerhaltige Limonaden/Colas  oder Fruchtsäfte verwendet werden.

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Maßnahmen bei Hypoglykämie
Bei Unterzuckerungssymptomen wie Schwitzen, Zittern, Hungergefühl oder einem Blutzucker unter 60 mg/dl sollten zwei schnell wirksame Broteinheiten (z.B. 4 Plättchen Traubenzucker oder 1 Glas Apfelsaft) eingenommen werden.
Bei Auftreten von Verwirrtheitszuständen und beginnender Somnolenz sollte ein Arzt hinzugezogen werden.  Hilfspersonen können in diesem Fall, falls vorhanden,  1 Ampulle Glucagon s.c. (subkutan) oder i.m. (intramuskulär)  injizieren, der hinzugezogene Arzt wird Glukose intravenös verabreichen. In diesem Fall kann eine Krankenhauseinweisung unumgänglich werden. (optional: Bei Unterzuckerungen, die durch Sulfonylharnstoffe (z.B. Glimepirid) hervorgerufen werden, ist eine Glucagon-Injektion nicht angezeigt, da Glucagon die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse zusätzlich stimuliert.

Merke:
Eine Unterzuckerung stellt sich schnell ein und muß dringend sofort behandelt werden.

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Hyperglykämie (Blutzuckerentgleisung)
Die Entgleisung des Blutzuckers im Sinne einer Erhöhung (Hyperglykämie) stellt sich langsamer ein als eine Unterzuckerung und führt unbehandelt allmählich über Durstgefühl, allgemeine Schwäche und Müdigkeit zur Bewußtseinseintrübung. Bei Menschen mit einem Typ 1 Diabetes darf die Insulinzufuhr nie vollständig unterbrochen werden. Selbst bei einer Nahrungskarenz muss die Basalinsulingabe fortgeführt werden. Die regelmäßige Blutzuckermessung gerade auf einer Reise sollte selbstverständlich sein. Bei Blutzuckerwerten über 250-300 mg/dl ist insbesondere beim Typ 1-Diabetes die Bildung von Ketonkörpern bzw. von Aceton im Urin oder Blut auszuschließen. Hierfür gibt es spezielle Teststreifen, die bei Vorliegen eines Typ 1-Diabetes Bestandteil der Reiseapotheke sein sollten. Bei Nachweis von Ketonkörpern ist neben einer Anpassung der Insulintherapie eine ausreichende Flüssigkeits- und Mineralsalzzufuhr sehr wichtig, so dass möglichst ein Arzt aufgesucht werden sollte.

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Maßnahmen bei Hyperglykämie
Blutzucker erhöht > 250 mg% und Urinaceton negativ:

  • Viel trinken
  • Blutzucker evt. vorsichtig mit Normalinsulin senken
  • Engmaschige Blutzuckerkontrollen

Blutzucker erhöht > 250 mg/dl und Urinaceton positiv:

  • Möglichst Arzt aufsuchen
  • Sehr viel trinken
  • Blutzucker nach Maßgabe des Arztes senken (z.B. doppelter Korrekturbolus, Erhöhung der Basalrate, etc.)
  • Körperliche Schonung
  • Engmaschige Blutzuckerkontrollen

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Weitere Risiken für Diabetespatienten auf Reisen
Hautinfektionen: Achten Sie darauf, sich möglichst nicht zu verletzen! Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist eine optimale Ausrüstung im Hinblick auf Kleidung und Schuhwerk zur Vermeidung von Wunden an den Füßen (diabetisches Fußsyndrom). Nehmen Sie keine neuen, bisher nicht oder kaum getragene Schuhe  mit. Für trotzdem aufgetretene Wunden, aber auch schon für aufgekratzte Insektenstiche, sollten sie  ein Antiseptikum und Verbandsmaterial/Pflaster dabeihaben.
Koronare Herzerkrankung: Bei langjährigen Diabetespatienten ist das Risiko einer Herzkranzgefäßverkalkung und damit eines Herzinfarktes erhöht. Auch wenn Sie bisher keine Beschwerden hatten, achten Sie auf Warnsignale wie Atemnot, Brustschmerz und Engegefühl sowie ausstrahlende Schmerzen in den Arm! Nehmen Sie diese Symptome ernst und gehen Sie zum Arzt.
Durchfall oder Erbrechen: Hier kommt es zu einem erhöhten Flüssigkeits- und Elektrolytbedarf. Bei einer Therapie mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen besteht aufgrund der inadäquaten Nahrungsaufnahme ein erhöhtes Unterzuckerungsrisiko.Testen Sie in diesem Fall häufig Ihren Blutzucker und passen Sie ggf. die Insulinmenge an.Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge (z. B. Mineralhaltiges gereinigtes Wasser oder Tee).

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27.03.2014 Dr. med. Christian Bergemann (CB), Facharzt für Innere Medizin / Diabetologie


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