Tollwut

Die Tollwut ist eine schwere Virusinfektion des Zentralnervensystems, die fast ausnahmslos tödlich endet - mit einer Tollwutimpfung kann man jedoch mögliche Risiken minimieren.

Tollwut wird durch den Speichel infizierter Tiere (z.B. Füchse, Fledermäuse, Hunde, Katzen) übertragen und führt zu Krampfanfällen, aggressivem Verhalten, Koma und Tod durch Atemlähmung. Die Erkrankung beginnt oft erst Monate, manchmal sogar erst Jahre nach dem Viruskontakt.

Im Folgenden finden Sie Infos zum Tollwutvorkommen, zu möglichen Infektionswegen, zur Tollwutimpfung sowie zu wichtigen Maßnahmen nach einem Kontakt:

Erreger

Tollwut wird durch Lyssaviren aus der Familie der Rhabdoviren verursacht. Eine Übertragung des Virus erfolgt vor allem durch Bisse oder durch Kontakt von infiziertem Speichel >> Infektionsweg

 Vorkommen

Tollwut kommt bei Tieren in vielen Ländern weltweit vor. Die WHO geht von ca. 55.000 Tollwut-Toten pro Jahr aus ( WHO Report). Zu den meisten menschlichen Infektionen kommt es in Entwicklungsländern ( >> Ihr Reiseziel) - ein Großteil hiervon in Indien.

99% der menschlichen Tollwutfälle werden von Hunden übertragen. Besonders häufig sind Welpen unter sechs Monaten betroffen. Auch Affen können die Tollwut übertragen - hier sind die Fallberichte aber vergleichsweise selten.

Die Wildtollwut unter Füchsen, Waschbären oder Fledermäusen ist ebenfalls nur selten Auslöser der Tollwut beim Menschen. Vorsicht ist in Deutschland und in den Niederlanden z.B. bei Höhlenwanderungen (Fledermäuse) oder im Tierschutz geboten.

Infektionsweg

Der Mensch infiziert sich hauptsächlich durch Speichelkontakt: Nach Belecken von verletzten Hautstellen, durch Biß- oder Kratzverletzungen, oder wenn Speichel des Tieres durch ungewaschene Hände an die Augen-, Nasen-, oder Mundschleimhaut gelangt. Ansteckend ist auch die Inhalation von Viren. Das Virus wird nicht durch Belecken von gesunder Haut übertragen - Schleimhäute sind hingegen auch in unverletztem Zustand durchlässig. Der sicherste Schutz vor Tollwut ist daher eine intakte Haut!

Da das Virus widerstandsfähig gegen Kälte und Fäulnis ist, sind Tierkadaver auch noch nach Wochen infektiös.

Inkubation

In den meisten Fällen beträgt die Inkubationszeit 20 bis 70 Tage, Tollwut kann aber auch schon nach vier Tagen oder erst nach einem Jahr ausbrechen.

Verlauf

Tollwut ist eine akute Virusenzephalomyelitis, die bei Ausbruch fast ausnahmslos tödlich endet. Ist das Virus einmal in den Körper gelangt, wandert es entlang der Nervenbahnen ins Rückenmark und von dort ins Gehirn. Hier vermehrt es sich und breitet sich weiter im Organismus aus.

Zu den ersten Krankheitszeichen zählen eine gewisse Ängstlichkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Unwohlsein und die Veränderung der Wahrnehmung im Bereich der Bißstelle. Gewöhnlich kommt es zu Nervosität, Halluzinationen und einer Aerophobie, in einigen Fällen gefolgt von Angstzuständen vor Wasser (Hydrophobie) aufgrund von Spasmen der Schluckmuskeln. Nach Delirium und Krämpfen tritt wenige Tage nach Krankheitsbeginn der Tod ein.

Eine weniger häufige Form, die paralytische Tollwut, ist durch Störungen der Sinnesempfindung, Schwäche, Schmerzen und Paralysen charakterisiert.

Gegen Tollwut gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Lediglich die Symptome können durch völlige Ruhe, gedämpftes Licht, Sedierung und Atemhilfe gelindert werden. Da Speichel, Tränen und Urin des Patienten hoch ansteckend sind, muss der Patient isoliert werden.

Impfung

Bei unklarem oder nicht vorhandenem Impfschutz muss unverzüglich (Stunden!) nach dem fraglichen Viruskontakt (Biss, blutiger Kratzer oder Kontakt mit den Schleimhäuten) eine aktive und passive Immunisierung erfolgen! Diese besteht aus fünf aktiven Impfungen innerhalb von 28 Tagen. Je nach Schwere der Verletzung ist neben der aktiven Impfung auch eine passive Impfung in den Arm und in das Wundgebiet notwendig. Dieses Immunglobulin ist teuer in der Herstellung und nicht überall vorrätig. Es sollten von der WHO lizensierte humane und equine Immunglobuline zum Einsatz kommen.

Bei bestehendem Impfschutz kann auf die passive Impfung (Immunglobuline) verzichtet werden, die erneute aktive Impfung am ersten und dritten Tag ist jedoch trotzdem notwendig.

Eine Tollwutimpfung sollte bei beruflicher Exposition (Förster, Jäger, Tierarzt) und bei Reisen in Risikogebiete z.B. China, Indien, Thailand, Vietnam, Bali, Nepal, Bangladesch oder Pakistan erwogen werden  aktuelle Länderinfos >> Ihr Reiseziel

Bei entsprechender Exposition (Trekking, Fahrrad- oder Motorradtouren, Höhlenwanderungen, Tierschutz, besonders Kinder) sollte eine Tollwutimpfung vor Abreise erfolgen. Im Rahmen des Pauschaltourismus (Hotelanlage) kann auf eine Tollwutimpfung eventuell verzichtet werden.  Für einen nahezu 100%igen Schutz ist eine dreimalige Impfung innerhalb 4 Wochen, sowie Auffrischung zunächst nach einem Jahr, dann nach drei bis fünf Jahren notwendig.

Impfstoff

Ein sehr schlecht verträglicher, auf Nervenzellen gezüchteter Impfstoff, wird seit 1984 nicht mehr von der WHO empfohlen. Auch in den meisten Reiseländern wird auf dessen Einsatz verzichtet, lediglich in manchen Entwicklungsländern findet er immer noch Verwendung. Als besser verträgliche Alternative werden stattdessen hochgereinigte auf Zellkulturen gezüchtete Impfstoffe (purified chick embryo cell) oder auf humanen Zellen gezüchtete Imfpstoffe (Human Diploid Cells sog. HDC) verwendet, die sich beide durch eine bessere Verträglichkeit auszeichnen.

Wer eine nachgewiesene Hühnereiweißallergie hat, sollte die hühnereiweißfreien HDC-Impfstoffe verwenden.

Anwendung

Man unterscheidet zwischen der Tollwutimpfung als Vorsorge und der Impfung, die nach Tollwutkontakt vorgenommen wird.

Die Vorsorgeimpfung besteht für Erwachsene und Kinder aus drei Injektionen in den Oberarmmuskel an den Tagen 0, 7 und 21-28. Der Impfschutz muss bei fortbestehender Gefährdung alle zwei bis fünf Jahre aufgefrischt werden.

Nach Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier muss jeder Mensch geimpft werden:

I) Bei Patienten, die bereits über einen Impfschutz verfügen, ist das Erkrankungsrisiko geringer, es sind weniger Impfungen notwendig (s.o.).
II) Wer noch nie oder unvollständig geimpft wurde, erhält die vollständige Therapie. Sie besteht aus fünf bis sechs Impfungen sowie aus einer passiven Immunisierung mit einem Antitollwutserum. Bei Kontakt mit Impfflüssigkeiten oder Impfködern wird gleichermaßen verfahren.

Impfschutz

Beginn des Schutzes ca. 2 Wochen nach der ersten Impfung - Dauer bis 5 Jahre, Kontrolle über Bestimmung der Antikörper.

Nebenwirkungen / Gegenanzeige

Moderne Tollwutimpfstoffe werden gut vertragen. Häufige Nebenwirkungen sind Rötung und Schwellung der Einstichstelle, seltener kommt es zu grippeähnlichen Symptomen oder Magen-Darmbeschwerden. In Einzelfällen wurden allergische Reaktionen bis zum allergischen Schock beschrieben. Gelegentliche systemische Reaktionen (Unwohlsein, generelle Schmerzen und Kopfschmerzen) wurden sowohl nach intramuskulärer als auch nach intradermaler Impfung beobachtet.

Bemerkungen

Bei Exposition sollte nach der 3. Impfung eine Antikörperbestimmung durchgeführt werden, um die weitere Dosierung ggf. zu erhöhen. Abstand zu anderen Impfungen nicht erforderlich. Vorsicht: Tollwut endet für den Menschen immer tödlich!

Risikogebiete

Bei den Reiseländern unterscheidet man vier verschiedene Risikokategorien >> Infografik Tollwut:

Kategorie 1: Länder mit keinem Tollwut-Risiko

Kategorie 2: Länder mit geringem Tollwut-Risiko
Reisende in diese Länder sollten bei einem möglichen Kontakt mit Fledermäusen eine Tollwut-Impfung als Vorsorge erhalten.

Kategorie 3: Länder mit mittlerem Tollwut-Risiko
In diesen Ländern sollten Reisende, die einen möglichen Kontakt mit Fledermäusen oder anderen wilden Tieren nicht ausschließen können, eine Tollwut-Impfung als Prophylaxe erhalten.

Kategorie 4: Länder mit hohem Tollwut Risiko
In diesen Ländern sollten Reisende, die sich in ländlichen Gebieten aufhalten oder Aktivitäten wie Jogging, Radfahren, Wandern oder Camping geplant haben, eine vorsorgliche Tollwut-Impfung erhalten.
Eine prophylaktische Tollwutimpfung empfiehlt sich auch für Personen die einen Kontakt zu Tieren (bspw. Hunde oder Katzen) nicht ausschließen können oder einem beruflichen Risiko ausgesetzt sind (bspw. Veterinäre oder Jäger). Darüber hinaus sind auch Kinder in diesen Ländern vorsorglich zu impfen, da man insbesonderen bei Ihnen nicht den Kontakt zu streunenden Tieren ausschließen kann.

Maßnahmen nach einem Kontakt mit tollwutverdächtigem Tier

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die unbehandelt zum Tod führt. Übertragen wird die Krankheit meistens von wilden und streunenden Tieren: Füchsen, Fledermäusen, Waschbären, Stinktieren und auch verwilderten Haustieren wie Katzen und Hunden. Schützen können Sie sich durch eine Tollwutimpfung.

Deutschland und viele europäische Länder gelten seit einigen Jahren als tollwutfrei. In Asien, Afrika und Südamerika ist Tollwut aber nach wie vor weit verbreitet. Jährlich sterben über 55.000 Menschen an dem Virus. Wenn Sie mit einem tollwutverdächtigen Tier in Berührung gekommen sind, sollten Sie deshalb schnell handeln.

Im Folgenden werden die häufigsten Fragen zur Tollwut beantwortet:

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Wie erkenne ich, ob ein Tier tollwutverdächtig ist?

  • Wildtiere haben normalerweise eine natürlich Scheu vor dem Menschen. Zu Beginn der Erkrankung verlieren sie oft diese Scheu.

  • Bewegungsstörungen, Aggressivität und vermehrter Speichelfluss sind Anzeichen einer Tollwuterkrankung.

  • Besonders Bisse, die unvermittelt erfolgen und nicht durch menschliches Verhalten "provoziert" wurden, können auf eine Tollwuterkrankung hinweisen. Allerdings birgt jeder Biss das Risiko einer Tollwutübertragung.

 

Welche Art von Kontakt ist ansteckend?

Das Virus wird durch den Speichel von infizierten Säugetieren übertragen. Anstecken können Sie sich also:

  • durch einen Biss

  • durch das Lecken von verletzter oder entzündeter Haut

  • durch den Kontakt von Schleimhäuten oder offenen Wunden mit Speichel

  • durch Kontakt der Impfflüssigkeit eines beschädigten Impfköders mit nicht-intakter Haut

Hinweis

Durch das Lecken von intakter Haut oder durch bloßes Streicheln eines Tieres kann man sich nicht mit Tollwut anstecken.

 

Was soll ich tun, wenn ich mit einem tollwutverdächtigen Tier Kontakt hatte?

  • Reinigen Sie die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife und desinfizieren Sie sie, am besten mit 70%igem Alkohol oder einer Jodlösung. Damit reduzieren Sie das Ansteckungsrisiko.

  • Wenn Sie gegen Tollwut geimpft sind:
    Nach dem Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier brauchen Sie meist zwei Auffrischungsimpfungen im Abstand von zwei Tagen, um das Risiko einer Ansteckung gering zu halten. Hierzu haben Sie ca. 72 Stunden Zeit.

  • Wenn Sie nicht gegen Tollwut geimpft sind:
    Suchen Sie möglichst bald einen Arzt auf. Dieser wird Sie nach einem Intensiv-Schema im Abstand von einigen Tagen fünf- bis sechsmal impfen (postexpositionelle Impfbehandlung). Zusätzlich ist eine in den meisten Fällen passive Immunisierung mit Humanem Tollwut-Hyperimmunglobulin (HRIG) angezeigt.

  • Bei der Behandlung von Tollwut kommt es zwar nicht auf Minuten oder Stunden an, Sie sollten aber mit dem Arztbesuch keinesfalls warten, bis Sie irgendwelche Symptome entwickeln. Denn hat das Virus einmal das zentrale Nervensystem erreicht, ist es für eine Behandlung zu spät. Deshalb muss die erste Tollwutimpfung bei ungeimpften Personen innerhalb von 12-24 Stunden erfolgen.


Weitere Informationen  zu Tollwut:

 >> Tollwut - Krankheiten A-Z

 >> Infografik Tollwut

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Autor

24.10.2018, Dr. med. Andrea Gontard (AG), Fachärztin für Allgemeinmedizin und Constanze Eder (CE), Redakteurin für Reise- und Tropenmedizin

 

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