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Amöbenruhr

Definition

Die Amöbiasis bzw. Amöbenruhr ist eine nicht sehr häufige, aber potenziell lebensbedrohliche Infektionserkrankung. Verursacht wird die Amöbenruhr von der Amöbenart Entamoeba histolytica. Von dieser Durchfallkrankheit sind Reisende in Länder mit niedrigem Lebensstandard bzw. Tropenrückkehrer betroffen. 

Die Amöbenruhr nistet sich im Dickdarm des Menschen ein, wo sie sich durch Zellteilung stetig vermehrt. Übertragen wird sie in erster Linie durch unhygienische Lebensbedingungen und vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser.

Unter zahlreichen Amöbenarten ist nur Entamoeba histolytica pathogen. Sie ist von den apathogenen Spezies Entamoeba dispar und Entamoeba moshkovskii zu unterscheiden, die morphologisch ähnlich sind, aber keine Erkrankungen verursachen. Die Unterscheidung erfolgt durch molekulare Methoden wie PCR oder Antigentests.

Vorkommen

Die Amöbiasis bedroht mittlerweile den überwiegenden Teil der Weltbevölkerung. Pro Jahr gibt es schätzungsweise rund 50 Millionen Neuinfektionen mit geschätzten 40.000–100.000 Todesfällen pro Jahr.

Die Erkrankung kommt vor allem in subtropischen und tropischen Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen vor. Besonders stark verbreitet ist die Durchfallerkrankung in tropischen und subtropischen Regionen wie etwa in Thailand, Kenia, Vietnam, Bangladesch oder Indien. Dort besteht auch für Reisende eine reale Infektionsgefahr.

Epidemien sind durch verseuchtes Trinkwasser möglich. In gemäßigten Klimazonen werden sporadische Infektionen z. B. bei Kanalarbeitern oder Migranten beobachtet.

Übertragung / Ansteckung

Das Erregerreservoir sind gesunde Menschen, welche E. histolytica-Amöben beherbergen und deren Zysten ausscheiden. Die Amöben sind in Wasser oder feuchtem Milieu lange lebensfähig, aber empfindlich gegen Austrocknung oder Erhitzung.

Eine Infektion mit Amöbenruhr kann über kontaminierte Lebensmittel und hier vor allem über kopfgedüngte Salate und Gemüse erfolgen, sowie über Wasser und über Schmierinfektionen. Der Erreger kann aber auch durch anal-orale Sexualpraktiken übertragen werden, insbesondere bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Extraintestinale Manifestationen entstehen endogen durch hämatogene Dissemination.

Die Inkubationszeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit ist sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Tagen über einige Monate bis hin zu mehreren Jahren.

Verlauf

Die Amöbenruhr kann auf drei unterschiedliche Weisen verlaufen. Bei einem symptomlosen Verlauf (90% der Fälle) spürt der Erkrankte von der Infektion überhaupt nichts. Der Patient, der die Erreger in seinem Verdauungstrakt beherbergt und auch ausscheidet, kann aber Überträger der Infektion sein. Bei der invasiven Amöbenruhr befallen die Erreger den Verdauungstrakt des Menschen und führen dort zu einer Darmentzündung mit Bildung von Geschwüren und Abszessen. Hier kommt es zu blutig-schleimigen Durchfällen. Bei der fortgeschrittenen Form der Amöbenruhr, der sogenannten extraintestinalen Amöbiasis, setzen die Krankheitserreger zusätzlich den Organen außerhalb des Verdauungstrakts zu - etwa der Leber, der Milz, dem Herzen oder den Harnwegen. Leberabszesse gehen dann mit Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl einher. Die extraintestinale Amöbiasis kann sich noch Jahre nach der Infektion manifestieren.

Wird eine Amöbiasis frühzeitig erkannt und fachgerecht behandelt, ist sie meist ungefährlich. Wird das versäumt, kann es auch zu schwerwiegenden bis tödlichen Komplikationen kommen wie Leberabszessen oder Entzündungen der Darmschleimhaut und des Bauchfells bis hin zum Darmdurchbruch. Die WHO schätzt, dass pro Jahr rund 100.000 Menschen an den Folgen der Erkrankung sterben.

Diagnose

Typische Symptome einer Amöbenruhr sind Bauch- und Magenkrämpfe, Fieber, Durchfall und Blut im Stuhl. Feststellen lassen sich die Erreger durch die Untersuchung von Blut- und Stuhlproben. Auch Serumantikörper können im Blut bestimmt werden. 

Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Zysten oder Trophozoiten im Stuhl mittels Mikroskopie. Antigentests und PCR bieten eine höhere Sensitivität und Spezifität. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder CT sind bei Verdacht auf extraintestinale Manifestationen (z. B. Leberabszess) indiziert. So können Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums oder eine Darmspiegelung wertvolle Hinweise geben.

Behandlung

Wird der Befall mit Amöben rechtzeitig erkannt, lassen sich die Erreger meist gut mit Antibiotika behandeln. So werden zur Behandlung der invasiven Amöbiasis Metronidazol oder Tinidazol eingesetzt, gefolgt von einem lumenwirksamen Präparat wie Paromomycin oder Diloxanidfuroat zur Eradikation von Zysten im Darm. Kürzere Therapieprotokolle (z. B. Metronidazol 3 x tgl. 500 mg für 7–10 Tage) sind möglich.

Kommt es durch die Infektion zu Abszessen und Infektionen in verschiedenen Organen ist die Behandlung oft weit langwieriger. Treten massiv Abszesse auf, ist mitunter auch eine operative Behandlung nötig.

Vorsorge

Gefährdet sind vor allem Reisende in Endemiegebiete mit schlechten hygienischen Bedingungen sowie Personen mit engem Kontakt zu Infizierten (z. B. Familienangehörige oder medizinisches Personal). Besonders gefährdet sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), da die Übertragung durch anal-orale Sexualpraktiken erfolgen kann. In Nicht-Endemiegebieten wie Deutschland treten sporadische Fälle auf, meist bei Reiserückkehrern oder Migranten aus betroffenen Regionen.

Der Amöbenruhr beugt man am besten vor, indem man in gefährdeten tropischen und subtropischen Gebieten kein offenes Wasser oder Leitungswasser trinkt. Die Chlorierung des Wassers bietet keinen Schutz. Auch für das Zähneputzen sollte man nur hygienisch abgefülltes Mineralwasser verwenden. Starke Bauchschmerzen oder Durchfall muss sofort ärztlich abgeklärt und behandelt werden.

Wasser sollte abgekocht oder filtriert verwendet werden. Moderne UV-Licht-Systeme können ebenfalls wirksam sein. Obst und Gemüse sollten gründlich gewaschen und ggf. mit heißem Wasser behandelt werden. Rohes Gemüse und Obst sollte man selbst schälen.

Zur Prophylaxe gehören ferner allgemeine Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Fliegenbekämpfung sowie fliegensichere Aborte und Wasserhygiene.

Differenzialdiagnose

Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa kann ähnliche oder übereinstimmende Symptome der Amöbenruhr zeigen. Auch bakterielle Leberabszesse können sich in ähnlicher Weise bemerkbar machen. Durch die steigende Zahl von aus dem Ausland mitgebrachten Amöbiasis-Infektionen ist die Abgrenzung zu diesen und anderen ähnlich verlaufenden Erkrankungen schwieriger geworden.

Meldepflicht

Keine Meldepflicht für Einzelfälle, ggf. beim Auftreten von zwei oder mehr Fällen, bei denen ein Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 5b (Erkrankungshäufung) IfSG.

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