Indien: Gefährliche Mutation des Nipah-Virus?
Meldung vom: 02.02.2026
Wird das indische Nipah Virus gefährlicher?
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Virus-Ursprung in Malaysia
Das Nipah-Virus wurde erstmals 1998 in Malaysia nachgewiesen. Dort wurden insgesamt 265 Fälle beim Menschen registriert, darunter 105 Todesfälle (fast 40 Prozent), die größtenteils auf schwere neurologische Komplikationen zurückzuführen waren.
Die gemeldete Letalitätsrate in Indien und Bangladesch im Jahr 2001 lag bei dem ersten Virus-Ausbruch dagegen bei fast 70 Prozent. Weitere Nipah-Virus-Ausbrüche in diesen Regionen verzeichneten sogar Letalitätsraten von bis zu 100 Prozent.
Unterschiedliche Letaltitätsraten (40% vs. >70%)
Der deutliche Unterschied in den Letalitätsraten zwischen den Ländern Malaysia (40%) und Indien/Bangladesch (70 bis 100%) wirft die Frage auf: Ist die indische Variante des Nipah-Virus gefährlicher als die malaysische?
Molekularbiologische Untersuchungen haben deutliche genetische Mutationen der in Indien und Bangladesch zirkulierenden Nipah-Virus-Variante im Vergleich zur malaysischen Variante nachgewiesen. Diese genetischen Unterschiede könnten eine plausible Erklärung für den schwereren Krankheitsverlauf auf dem indischen Subkontinent darstellen. In Malaysia trat ein Großteil der Fälle (fast 70 Prozent) bei Personen auf, die direkt in der Schweinehaltung tätig sind, während Ausbrüche in Indien und Bangladesch durch häufigere Mensch-zu-Mensch-Übertragung gekennzeichnet waren. Dieser epidemiologische Unterschied könnte auf Unterschiede in den Varianten und deren Schweregrad zurückzuführen sein.
Darüber hinaus trägt das verzögerte Aufsuchen von medizinischer Hilfe in Indien und Bangladesch möglicherweise zu schlechteren Behandlungsergebnissen bei: Frühe Symptome werden oft als grippeähnliche Erkrankung wahrgenommen. Dies führt dazu, dass Betroffene zu Hause bleiben ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese zeitliche Verzögerung kann zu einer späten Diagnose und einem raschen Fortschreiten der Erkrankung führen. Dieser Umstand könnte die höhere Sterblichkeitsrate auf dem indischen Subkontinent im Vergleich zu Malaysia zumindest teilweise erklären. Hier sind jedoch sind Studien erforderlich, um diese Hypothese zu untermauern.
Neunter Nipah-Virus Ausbruch in Indien
Erst vor wenigen Wochen wurden in Indien erneut zwei laborbestätigte Nipah-Virus-Infektion im Bundesstaat Westbengalen gemeldet. Dies löste in den Nachbarstaaten von Indien eine entsprechende Besorgnis über eine mögliche Ausbreitung des Virus und das Risiko einer internationalen Verbreitung aus. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden 190 Personen, die Kontakt zu den beiden Patienten hatten, getestet. Alle Ergebnisse waren negativ.
Seit dem ersten Ausbruch im Jahr 2001 ist dies der neunte Nipah-Virus-Ausbruch in Indien: Zwischen den Jahren 2018 und 2025 wurden in Kerala fast jährlich Ausbrüche gemeldet.
Gefahr vor internationaler Ausbreitung
Das Nipah-Virus ist ein hochpathogenes Virus, das von Tieren auf Menschen (durch engen Kontakt), über kontaminierte Lebensmittel (z. B. Speichel, Urin) und durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird. Insbesondere angesichts der bekannten Fähigkeit des Virus, sich von Mensch zu Mensch auszubreiten sowie aufgrund der hohen Letalitätsrate hat der erneute Vorfall in Indien eine Debatte über das Risiko einer grenzüberschreitenden Übertragung entfacht:
Thailand hat mit der Untersuchung von Passagieren an drei Flughäfen begonnen, die Fluggäste aus Westbengalen / Indien empfangen. Auch Nepal führt Kontrollen bei Ankünften am Flughafen Kathmandu und an anderen Grenzübergängen zu Indien durch.
Bislang wurde eine Nipah-Virus-Infektion in Nepal nicht offiziell bestätigt. Das Einschleppungsrisiko des Nipah-Virus kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Schweinehaltung ist in Nepal weit verbreitet - bemerkenswerterweise wurde der erste Ausbruch des Nipah-Virus 1998 auch bei Schweinen in Malaysia festgestellt. Angesichts der regelmäßig auftretenden, tödlichen Ausbrüche von Infektionskrankheiten bei Schweinen in Nepal sollte das Nipah-Virus bei der Differenzialdiagnose solcher Ereignisse nicht außer Acht gelassen werden. Obwohl der genaue Mechanismus der Einschleppung des Nipah-Virus in die malaysischen Schweinebestände weiterhin unklar ist, gelten Flughunde als wahrscheinlichstes Reservoir und Ursprung der Übertragung.
Ausblick
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die jüngsten Berichte über Fälle hochpathogener Nipah-Viren im benachbarten Indien ein Weckruf für Nepal sind. Derzeit scheint die indische Variante zwar schwerwiegender im Krankheitsverlauf, aber weniger ansteckend als die Nipah-Variante von Malaysia zu sein. Eine erhöhte Infektiosität kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, da das Virus weitere natürliche Mutationen durchlaufen kann. Dies gibt Anlass zur Sorge, dass es in Zukunft zu größeren Ausbrüchen führen könnte. Obwohl das Virus in Nepal noch nicht nachgewiesen wurde, bleibt das Risiko einer Einschleppung aufgrund wiederkehrender Ausbrüche in Indien, des Vorkommens von Flughunden als Virusreservoir und der Schweinehaltung in Nepal hoch. Diese Faktoren unterstreichen die Notwendigkeit anhaltender Wachsamkeit, verstärkter Überwachung und einer guten Vorbereitung, um ein mögliches Auftreten des Nipah-Virus in Nepal frühzeitig zu erkennen und umgehend darauf reagieren zu können.
Sofern die Standardvorkehrungen eingehalten werden, ist das Risiko einer Nipah-Virus-Erkrankung für Touristen, die in Endemiegebiete reisen, sehr gering. Die anfänglichen klinischen Symptome ähneln einer grippeähnlichen Erkrankung mit Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Halsschmerzen, Erbrechen und Müdigkeit, gefolgt von schweren neurologischen Manifestationen, einschließlich akuter Enzephalitis.
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>> Quelle: pib.gov.in, 27.01.2026, ibtimes.co.uk, Feb 2026 und monash.edu, 02.02.2026
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